Workshop „Handlungssicherheit in Notfällen“ – Handlungswissen oder Haltung? Beides!

Notfälle gehören glücklicherweise nicht zum Alltäglichen unserer Arbeit. Gleichzeitig können sie bei erlebnispädagogischen Angeboten, Ausflügen oder im Rahmen ambulanter Hilfen jederzeit eintreten. Umso wichtiger ist es, dass wir Fachkräfte nicht nur wissen, was zu tun ist, sondern dass wir auch unter im Ernstfalll zwangläufig eintretendem Stress handlungsfähig bleiben. 

In diesem besonderen Workshop zum Thema „Handlungssicherheit bei Notfällen“ stand deshalb weit mehr als klassische Erste Hilfe im Fokus. Neben konkreten Handlungsstrategien für medizinische Notfälle haben wir uns intensiv mit der Frage auseinandergesetzt, wie wir in unerwarteten Krisensituationen reagieren – und wie wir auch unter hoher Belastung besonnen und professionell handeln. 

Unser Referent – Hennig Kluge – hat den Workshop bewusst interaktiv und erfahrungsorientiert gestaltet. Immer wieder hat er realitätsnahe Notfallsituationen simuliert, ohne dass wir Teilnehmenden dies im Vorfeld wussten. Einzelne Eingeweihte sorgten durch gezielt irritierendes oder unerwartetes Verhalten dafür, dass authentische Stresssituationen entstanden. Diese Selbsterfahrung machte uns eindrucksvoll erlebbar, wie schnell sich Wahrnehmung verändert, wie leicht ein Tunnelblick entstehen kann und welche Bedeutung klare Kommunikation, Prioritätensetzung und Selbstregulation in kritischen Momenten haben. 

Im anschließenden gemeinsamen Austausch haben wir unsere individuellen Reaktionen reflektiert und mit konkretem Handlungswissen verknüpft. Hier wurde deutlich, dass professionelle Handlungssicherheit aus dem Zusammenspiel von Fachkompetenz, Übung, Teamarbeit und einer reflektierten Haltung entsteht. Wer die eigenen Stressreaktionen kennt, kann sie besser einordnen und auch in anspruchsvollen Situationen bewusst Entscheidungen treffen. 

Was wir ebenfalls gelernt haben: Kritische Situationen enden nicht mit der Übergabe an den Rettungsdienst. Auch die Verarbeitung des Erlebten, kollegiale Nachbesprechungen und ein achtsamer Umgang mit den eigenen Belastungsgrenzen sind wesentliche Bestandteile professionellen Handelns.  

Vielen Dank, Henning Kluge, für diesen fachlich fundierten und besonders eindrucksvollen Workshop. 

Wiebke Rikus