Abschied vom 2 umA-Projekt Albijonas – so kann Integration gelingen

Heute endet unser umA-Projekt in Nieheim.
Unsere Wohngruppe für unbegleitete minderjährige Ausländer (umA) wurde vor fast zweieinhalb Jahren ursprünglich als kurzfristige Brückenlösung eingerichtet – aufgrund der rückläufigen Zahl minderjähriger Geflüchteter wird das Angebot nun beendet.

Was bleibt, sind durchaus beeindruckende Erfolgsgeschichten:

Acht junge Männer aus verschiedenen afrikanischen Herkunftsländern bezogen damals die Wohngruppe. Besonders zu Beginn prägten unterschiedliche Kulturen, Bildungsbiografien und Sprachkenntnisse unseren gemeinsamen Alltag. Für uns als pädagogisches Team bedeutete dies vor allem: Orientierung geben, Vertrauen aufbauen und die Jugendlichen so bei ihrem Ankommen in einer völlig neuen Lebenswelt begleiten.

Eine der größten Herausforderungen war zunächst die Sprachbarriere.
Mit Unterstützung von Dolmetscher:innen, dem Einsatz von Übersetzungsapps und Kommunikation mit Händen und Füßen konnten behördliche Abläufe, rechtliche Rahmenbedingungen und wichtige Entscheidungen jedoch Schritt für Schritt verständlich vermittelt werden. Gleichzeitig galt es für uns als sozialpädagogische Fachkräfte, Selbstständigkeit zu fördern: Den Umgang mit Geld, die Strukturierung des Alltags sowie die Vorbereitung auf Ausbildung und ein eigenverantwortliches Leben in fremden Strukturen.

Rückblickend scheint für den Erfolg des Projekts aus unserer Sicht die intensive Beziehungsarbeit zentral. Durch viele, viele Gespräche und zahlreiche gemeinsame Aktivitäten – von Kino- und gesponserten Restaurantbesuchen über Stadionbesuche beim SC Paderborn bis hin zu Museums- und Freilichtmuseumsausflügen – wurde soziale Teilhabe ermöglicht und Verbundenheit erlebbar gemacht. Aus zunächst fremden Jugendlichen wurde so eine Gemeinschaft, die sich gegenseitig unterstützte und gemeinsam ihren Platz in Deutschland fand.

Für uns als Team besonders beeindruckend: ALLE Bewohner der WG erzielten über die Jahre bemerkenswerte Fortschritte im Bereich Bildung und berufliche Integration.
Die Jugendlichen besuchten das Berufskolleg Brakel, nahmen an Sprachkursen und Deutschnachhilfe teil und sammelten praktische Erfahrungen in unterschiedlichen Berufsfeldern – vom Handwerk über die Altenpflege bis hin zu kaufmännischen Bereichen. Sieben der acht jungen Männer befinden sich bereits in Ausbildung oder starten diese zeitnah.

Neben den Jugendlichen haben auch wir von Albijona wirklich wertvolle Erfahrungen sammeln dürfen. Durch wachsendes gegenseitiges Verständnis und einen lebendigen interkulturellen Austausch sind tragfähige (Arbeits-) Beziehungen entstanden, die nachwirken werden.

Der Abschied fällt daher nicht nur den Bewohnern, sondern auch uns Mitarbeitenden schwer. Gleichzeitig überwiegt die Freude darüber, was wir gemeinsam erreicht haben.

Das 2. umA-Projekt Albijonas am Standort Nieheim zeigt eindrucksvoll: Integration gelingt dort, wo Zugewanderte ein Ziel haben und auf dem Weg dorthin begleitet, beteiligt und in ihren individuellen Stärken gefördert werden.

Wiebke Rikus